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Strafbefehl erhalten — Sie haben zwei Wochen
Ein Strafbefehl kommt mit der Post und wirkt wie ein Bußgeldbescheid. Er ist aber etwas anderes: Läuft die Frist ab, steht er einem rechtskräftigen Urteil gleich — mit Eintragung und allen Folgen, die daran hängen.
Zwei Wochen ab Zustellung. Der Einspruch muss innerhalb dieser Frist beim Gericht eingehen. Maßgeblich ist das Datum auf dem Zustellungsumschlag — heben Sie ihn auf.
Was ein Strafbefehl ist
Das Strafbefehlsverfahren ist ein vereinfachtes Verfahren ohne Hauptverhandlung. Die Staatsanwaltschaft beantragt, das Gericht erlässt — Sie werden vorher nicht angehört. Möglich sind insbesondere Geldstrafe, Fahrverbot und Entziehung der Fahrerlaubnis; unter bestimmten Voraussetzungen auch eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe.
Das Verfahren ist für die Justiz bequem und für Sie oft ungünstig: Der Sachverhalt wird nur nach Aktenlage bewertet, ohne dass Ihre Sicht je zur Sprache kam.
Was viele unterschätzen
Ein rechtskräftiger Strafbefehl ist eine Verurteilung. Er wird ins Bundeszentralregister eingetragen. Ab einer bestimmten Höhe der Geldstrafe erscheint die Eintragung auch im Führungszeugnis — mit möglichen Folgen für Beruf, Gewerbeerlaubnis, waffenrechtliche Erlaubnisse oder aufenthaltsrechtliche Fragen.
Wer den Strafbefehl akzeptiert, weil die Geldstrafe verkraftbar erscheint, übersieht häufig diese Nebenfolgen. Sie wirken länger als die Zahlung.
Was der Einspruch bewirkt
Der Einspruch führt zur Hauptverhandlung — er hält das Verfahren offen. Das eröffnet mehrere Wege:
- Akteneinsicht und Prüfung — häufig zum ersten Mal überhaupt
- Verhandlung mit der Staatsanwaltschaft, etwa über eine Einstellung nach §§ 153, 153a StPO
- Beschränkung des Einspruchs auf die Rechtsfolge — dann bleibt der Schuldspruch, verhandelt wird nur über Strafhöhe, Fahrverbot oder Sperrfrist
- Rücknahme, wenn die Prüfung nichts ergibt — dann bleibt es beim Strafbefehl
Die Beschränkung auf die Rechtsfolge ist in der Praxis häufig der pragmatische Weg: Sie greift den Vorwurf nicht an, kann aber Tagessatzhöhe, Fahrverbot oder Sperrfrist erheblich beeinflussen — und damit genau das, was Sie im Alltag trifft.
Wo Strafbefehle regelmäßig angreifbar sind
- Tagessatzhöhe — sie richtet sich nach Ihrem Nettoeinkommen und wird häufig geschätzt, oft zu hoch
- Fahrverbot — Härtefallgesichtspunkte wurden nicht berücksichtigt, weil sie nie vorgetragen wurden
- Sachverhalt — die Aktenlage stützt den Vorwurf nicht in vollem Umfang
- Rechtliche Bewertung — etwa Vorsatz statt Fahrlässigkeit
- Vorbelastungen, die tatsächlich nicht vorliegen oder bereits getilgt sind
Der erste Punkt lohnt sich fast immer. Die Staatsanwaltschaft kennt Ihr Einkommen nicht und rechnet mit Annahmen — wer belegte Zahlen vorlegt, senkt die Geldstrafe häufig spürbar.
Muss ich zur Verhandlung erscheinen?
Kommt es zur Hauptverhandlung, ist Ihr Erscheinen grundsätzlich erforderlich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Verteidiger mit schriftlicher Vollmacht vertreten. Ob das in Betracht kommt, hängt vom Fall ab.
In vielen Verfahren kommt es allerdings gar nicht so weit, weil sich vorher eine Lösung findet.
Häufige Fragen
Kann es durch den Einspruch schlimmer werden?
Das Gericht ist in der Hauptverhandlung an den Strafbefehl nicht gebunden; eine höhere Strafe ist rechtlich möglich. In der Praxis ist das die Ausnahme — und wenn die Prüfung nichts ergibt, nehmen wir den Einspruch zurück, bevor es dazu kommt.
Ich war im Urlaub, als der Strafbefehl kam.
Die Frist läuft ab Zustellung, unabhängig davon, ob Sie zu Hause waren. Wer die Frist unverschuldet versäumt hat, kann Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen — das ist an enge Voraussetzungen und eine eigene Frist geknüpft. Melden Sie sich sofort, wenn Sie einen abgelaufenen Strafbefehl vorfinden.
Ich kann die Geldstrafe nicht auf einmal zahlen.
Ratenzahlung ist möglich und wird regelmäßig gewährt. Sinnvoller ist es allerdings, zunächst die Tagessatzhöhe zu prüfen — wenn sie zu hoch angesetzt wurde, sinkt der Gesamtbetrag.
Steht das dann in meinem Führungszeugnis?
Jede Verurteilung wird ins Bundeszentralregister eingetragen. Ins Führungszeugnis gelangt sie erst ab einer bestimmten Höhe der Geldstrafe. Ob Ihr Fall darunter oder darüber liegt, ist einer der Punkte, über die sich verhandeln lässt.
Zwei Wochen ab Zustellung
Melden Sie sich, solange die Frist läuft. Der Einspruch lässt sich zurücknehmen — die Frist nicht wiederherstellen.
Allgemeiner Überblick, keine Beratung im Einzelfall. Stand: August 2026.
