Ermittlungsverfahren — was jetzt zählt

Post von der Polizei, ein Beamter vor der Tür, ein Schreiben der Staatsanwaltschaft: Der erste Impuls ist fast immer, die Sache aufzuklären. Genau das ist der Fehler, der dazu führt, dass Verfahren verloren werden.

Die drei Sätze, die immer gelten: Ich mache keine Angaben zur Sache. Ich möchte einen Verteidiger sprechen. Personalien gebe ich an, mehr nicht.

Vorladung als Beschuldigter

Zu einer polizeilichen Vorladung als Beschuldigter müssen Sie nicht erscheinen. Es entstehen Ihnen daraus keine Nachteile — auch wenn das Schreiben anders klingt. Anders liegt es bei einer Ladung durch die Staatsanwaltschaft oder das Gericht.

Sie sind zu keinem Zeitpunkt verpflichtet, sich zur Sache zu äußern. Von diesem Recht sollten Sie Gebrauch machen, bis die Akte vorliegt — denn erst dann ist erkennbar, was der Vorwurf tatsächlich ist und worauf er sich stützt.

Ausführlich: Was bei einer Vorladung zu tun ist

Anhörungsbogen erhalten

Der Anhörungsbogen fragt zwei verschiedene Dinge ab: Personalien und eine Äußerung zur Sache. Die Angaben zur Person müssen Sie machen — Name, Geburtsdatum, Anschrift, Familienstand, Beruf. Zum Vorwurf selbst müssen Sie nichts sagen.

Der Kasten für die eigene Schilderung wirkt harmlos. Was dort steht, ist Aktenbestandteil und lässt sich nicht zurücknehmen.

Durchsuchung

Widersprechen Sie der Durchsuchung ausdrücklich, aber leisten Sie keinen Widerstand. Verlangen Sie den Beschluss und lassen Sie sich eine Kopie geben. Stimmen Sie der Durchsuchung nicht freiwillig zu — ein erklärtes Einverständnis nimmt Ihnen die Möglichkeit, die Maßnahme später überprüfen zu lassen.

Lassen Sie sich ein Verzeichnis der beschlagnahmten Gegenstände aushändigen. Und rufen Sie an, solange die Beamten noch im Haus sind.

Ausführlich: Verhalten während einer Durchsuchung

Strafbefehl

Gegen einen Strafbefehl können Sie innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung Einspruch einlegen. Läuft die Frist ab, steht er einem rechtskräftigen Urteil gleich — mit allem, was daran hängt: Eintragung, mögliche Folgen für Beruf und Fahrerlaubnis.

Der Einspruch lässt sich auf einzelne Punkte beschränken, etwa auf die Rechtsfolge. Häufig ist er der Hebel, über den eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft überhaupt erst möglich wird.

Ausführlich: Einspruch gegen den Strafbefehl

Untersuchungshaft

Wird jemand festgenommen, zählen Stunden. Haftprüfung und Haftbeschwerde sind die Wege, den Haftbefehl überprüfen zu lassen; oft geht es dabei um Fluchtgefahr und darum, ob mildere Mittel ausreichen. Wenn ein Angehöriger von Ihnen in Haft ist, rufen Sie sofort an.

Wie es dann weitergeht

Nach der Mandatierung melde ich mich bei der Ermittlungsbehörde und beantrage Akteneinsicht. Erst wenn die Akte vorliegt, besprechen wir, ob eine Einlassung sinnvoll ist — und wenn ja, welche. Viele Verfahren enden ohne Hauptverhandlung, etwa durch Einstellung nach §§ 153, 153a StPO oder mangels hinreichenden Tatverdachts.

Rufen Sie an, bevor Sie antworten

Auch außerhalb der Sprechzeiten. Ein Gespräch von zehn Minuten verhindert häufig den Fehler, der ein Verfahren entscheidet.

Allgemeiner Überblick, keine Beratung im Einzelfall. Stand: August 2026.