Erbschein — brauchen Sie einen?

Der Erbschein weist aus, wer Erbe geworden ist. Er kostet Gebühren nach dem Nachlasswert und dauert, und in einem erheblichen Teil der Fälle brauchen Sie ihn gar nicht.

Wann er entbehrlich ist

Liegt ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vor, genügt dieses zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts in aller Regel als Nachweis — gegenüber Banken ebenso wie gegenüber dem Grundbuchamt.

Das ist einer der praktischen Vorteile eines notariellen Testaments, den die wenigsten kennen: Es erspart den Erben später die Erbscheinsgebühren.

Verlangt eine Bank trotzdem einen Erbschein, obwohl ein notarielles Testament vorliegt, ist das nicht ohne Weiteres berechtigt. Ein anwaltliches Schreiben löst solche Fälle häufig, ohne dass ein Erbschein beantragt werden muss.

Wann Sie ihn brauchen

  • Es gibt kein Testament, es gilt also die gesetzliche Erbfolge
  • Es gibt nur ein handschriftliches Testament
  • Eine Immobilie soll im Grundbuch umgeschrieben werden und ein notarieller Nachweis fehlt
  • Die Erbfolge ist unklar oder streitig
  • Ein Unternehmen oder Gesellschaftsanteile gehören zum Nachlass

Was der Antrag verlangt

Der Antrag wird beim Nachlassgericht gestellt, zur Niederschrift oder über einen Notar. Erforderlich sind unter anderem die Sterbeurkunde, Angaben zum Familienstand und zu den Angehörigen, Urkunden zum Nachweis der Verwandtschaft, das Testament, falls vorhanden — und eine eidesstattliche Versicherung über die Richtigkeit Ihrer Angaben.

Achten Sie auf die eidesstattliche Versicherung. Sie ist keine Formalie. Falsche Angaben sind strafbewehrt, und bei komplizierten Familienverhältnissen ist nicht immer offensichtlich, was vollständig ist.

Und beachten Sie: Wer einen Erbschein beantragt, gibt damit regelmäßig zu erkennen, dass er die Erbschaft annimmt. Solange eine Ausschlagung in Betracht kommt, stellen Sie keinen Antrag.

Wenn die Erbfolge streitig ist

Dann wird das Erbscheinsverfahren zum eigentlichen Schauplatz. Andere Beteiligte können dem Antrag entgegentreten, das Gericht ermittelt von Amts wegen, und es kann Beweis erheben — etwa zur Testierfähigkeit des Erblassers oder zur Echtheit eines handschriftlichen Testaments.

In dieser Lage ist der Erbscheinsantrag kein Verwaltungsvorgang mehr, sondern ein Verfahren, das Sie führen. Mehr zur Wirksamkeit von Testamenten

Häufige Fragen

Was kostet ein Erbschein?

Die Gerichtsgebühren richten sich nach dem Wert des Nachlasses; hinzu kommen Gebühren für die eidesstattliche Versicherung. Bei größeren Nachlässen kommen erhebliche Beträge zusammen — ein weiterer Grund, zunächst zu prüfen, ob er überhaupt nötig ist.

Wie lange dauert es?

Bei klaren Verhältnissen einige Wochen. Bei unklarer oder streitiger Erbfolge deutlich länger, weil das Gericht ermitteln muss.

Die Bank verlangt einen Erbschein, obwohl ein notarielles Testament vorliegt.

Das ist nicht ohne Weiteres berechtigt. Ein anwaltliches Schreiben klärt solche Fälle häufig — und erspart Ihnen die Gebühren.

Wir sind mehrere Erben. Braucht jeder einen eigenen?

Nein. Ein gemeinschaftlicher Erbschein weist alle Erben mit ihren Anteilen aus. Ihn kann auch ein einzelner Miterbe beantragen.

Erst prüfen, ob er nötig ist

Das spart in vielen Fällen die Gebühren. Schildern Sie mir, was vorliegt.

Allgemeiner Überblick, keine Beratung im Einzelfall. Stand: August 2026.